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Karten und Herrschermarketing

16. September 2019

Karten und Herrschermarketing

16. September 2019 Katharina 4 Min. Lesezeit
Daughter Merchandise, Ed Fairburn

Wenn wir uns Ed Fairburns Karten mit den Frauenportraits ansehen, sind wir fasziniert. Aus den Linien auf den Karten, den Straßen und Plätzen formt er die Frauengesichter. Sie sind ein Teil dieser Karten.

Dann fragen wir uns vielleicht, hat es das schon mal in der Kunst gegeben, diese Verbindung aus Karten und Frauen? Wir wollen hier etwas in die Kunstgeschichte eintauchen.

Wir werden diesen Fragen heute nachgehen:

  1. Gab es in der früheren Kunstgeschichte Karten mit Frauenporträts?
  2. Was halten wir von älteren Kunstwerken?
  3. Können wir ältere Kunstwerke mit den Werken von Ed Fairburn verbinden?

Gab es früher Karten mit Frauenporträts?

Wenn wir etwas im Internet nach ‚Karten und Frauenporträt‘ suchen, finden wir schnell eine bestimmte Kartendarstellung, ‚Europa Regina‘ genannt. Wir sehen eine Frau, sie besteht aus einzelnen Länderteilen: Spanien, Gallien, Germania bis zu Griechenland.

Karte mit Europa als Frauengestalt, Europa Regina,
Henrich Bünting, 1582

Jetzt müssen wir etwas in die Geschichte eintauchen. Keine Sorge, dies wird nicht eine trockene Angelegenheit. Denn wir werden die Karte mit der Frau gleich besser verstehen.

Europa Regina (s.o.)

Die Frau trägt eine Krone und diese enthält das Land Spanien. Spanien war zu dieser Zeit Teil des Habsburgerreiches. Aus dem Königsgeschlecht der Habusburger kamen damals die Kaiser. Sie herrschten über das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen. Schauen wir nun nochmal die Karte an, neben Spanien ist auch Böhmen hervorgehoben. Es bildet das Herz der Frau. Beide sind zu dieser Zeit wichtige Teile des Habsburgereiches.

Mit diesen Informationen können wir erkennen: Auf der Europakarte sind Königreiche hervorgehoben, die damals zu dem Habsburgerreich gehörten. Wir gelangen noch näher an eine Interpretation der Karte, wenn wir uns die Frau etwas genauer ansehen.

Europa Regina (s.o.)

Ihr Kleid entspricht der Mode, die Frauen damals am Königshof der Habsburger trugen. Jetzt merken wir, nicht nur die Länder in der Frau, auch die Frau an sich spielt eine Rolle. Dazu gehört auch, dass sie nach rechts blickt. In Porträts zu dieser Zeit ist es üblich, dass die Frau in diese Richtung blickt. Und jetzt müssen wir nicht lange raten, um zu wissen, wer da saß, ihr Mann natürlich. Also sieht die Frau ‚Europa‘ zu einem Mann, der nicht dargestellt ist. Bei diesem Mann könnte es sich um den jeweiligen Kaiser handeln, der im 16. Jahrhundert aus dem Habsburgergeschlecht kam.

Jetzt sind wir tief in die Geschichte eingetaucht und vielleicht fühlen wir, dass ganz viele Informationen in unserem Kopf herumschwirren. Schaffen wir uns jetzt Klarheit: Europa ist als Frau dargestellt. Sie umfasst ungefähr die Länder, wie sie damals angeordnet waren. Besonders hervorgehoben sind Königreiche, die zu der Herrscherfamilie Habsburg gehören. Und auch die Frau an sich erinnert an Frauen aus dieser Familie, dabei blickt sie zu dem nicht anwesenden Kaiser.

Was halten wir von älteren Kunstwerken?

Unsere erste Reaktion könnte sein: Das ist doch recht langweilig, was hat das überhaupt mit uns heute zu tun? Oder vielleicht finden wir es interessant, aber trotzdem ohne Bezug zu uns heute.

Zugegeben, die ganzen Ländereinteilungen und Königreiche aus dem 16. Jahrhundert sind verwirrend. Aber wir sehen an der Karte, dass Karten nicht immer nur Karten waren. Unsere Karte könnte ein Marketinginstrument der Habsburger gewesen sein. Und wie wir aus dem heutigen Marketing kennen, ist dieses immer effektiver, wenn eine Person auftritt. Heute können wir uns dann besser mit jemandem identifizieren. Damals konnten die Menschen abstrakte Länder und Gebiete konkret mit einer Herrscherfamilie verbinden.

Wenn wir die Karte nun mit diesen Gedanken sehen, erscheint sie uns interessanter. Wir lernen mit ihr, wie Kunst ein Teil von Herrschermarketing sein kann.

Können wir ältere Kunstwerke mit Ed Fairburns Karten verbinden?

Was sicher weniger bei der Karte mit Frau-Europa passiert, ist, dass wir irgendetwas Bestimmtes fühlen. In unserer Kunststunde zu Ed Fairburns Karten hatten wir überlegt, was für Gefühle die Frauen in den Karten bei uns hervorrufen. Wir dachten an Ruhe und Geborgenheit, Gefühle, die wir mit unserer Heimat verbinden (siehe Blogbeitrag vom 13.09.2019).

Wir haben zwei Karten mit Frauen, eine ältere und eine aus unserer Gegenwart. In beiden Karten gehören die Frauen dazu, sie werden aus den Teilen der Karten geformt. Das ist recht grob beschrieben, danach beginnen schon die Unterschiede. Propaganda, Marketing einer Herrscherfamilie bei Frau-Europa und individuelle Gefühle rund um Heimat bei Ed Fairburns Karten.

Am Ende des Vergleichs sehen wir, ja, wir können ältere Kunstwerke mit Ed Fairburns Karten verbinden. Wir erkennen, wie Karten im Laufe der Zeit unterschiedlichen Zwecken dienten. Aber es ging immer darum, eine bestimmte Zugehörigkeit zu zeigen, eine politische oder eine persönliche. Wir Menschen zeigen mit Karten, was zu uns gehört oder wohin wir gehören. Diese ArtStory finden wir bei Ed Fairburns Karten, wenn wir sie mit älteren Karten vergleichen.

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